
Der aktuelle Vorstand: Hinten (v.l.): Klaus-Dieter Matussek, Joachim Nordmann und Bernlef-Knut Lau. Vorne (v.l.): Monika Clausen, Dieter Westphalen und Heike Jäger.
Foto: müller
Weg vom Kneipen-Kegeln in geordnete Bahnen - das war ein langjähriger Wunsch der Rendsburger Sportkegler, die am 3. Dezember im Sport- und Jugendheim des Rendsburger TSV ihren 100. Geburtstag feiern.
In Erfüllung ging dieser heiß ersehnte Wunsch im Jahre 1982. Vergessen waren die Kegelanlagen im "Roseneck" und in der "Lagune" in Rendsburg sowie in der Büdelsdorfer "Dorfschänke", um nur die wichtigsten zu nennen. 1982 fanden ca. 400 Kegler in Rendsburg in der Nobiskrüger Allee endlich eine sportliche Heimat. Und zwar eine, die in Schleswig-Holstein ihresgleichen sucht. "Seitdem sind wir unter dem Namen `Verein Rendsburger Sportkegler´ eine eigenständige Abteilung", erinnert Abteilungsleiter Dieter Westphalen an die Geburtssstunde der RTSV-Kegelsportabteilung.
Der Bau der Kegelsportanlage war seinerzeit durchaus umstritten. Doch das Quartett Walter Schaper (Vorsitzender des Rendsburger TSV), Jürgen Lucks, Klaus Linnenbrink und Dieter Westphalen setzte sich mit umsichtiger Handlungsweise, besonders was die Finanzierung anging, durch. "Heute würde ich das wohl nicht mehr wagen", atmet Westphalen nochmals kräftig durch. Der zeitliche Vorlauf für Planung, Bauzeit bis zur Einweihung im April 1982 war mit fünf Jahren schon beträchtlich. Das hat viel Zeit, Energie und Sorgfalt gekostet. "Doch am Ende haben alle mitgezogen", erinnert sich Westphalen. Zudem war es ihm gelungen, rund 95 Prozent der 400 Sportkegler für eine Mitgliedschaft im RTSV zu bewegen.
Die Finanzierung der Anlage mit zwei Millionen DM war wahrlich ein finanzieller Kraftakt. Allein die Sportkegler brachten 860 000 DM als Eigenleistung ein. "Darauf können wir stolz sein", lobt Westphalen das finanzielle Engagement seiner Sportkameraden.
Nach Inbetriebnahme der Anlage ging es sportlich schnell bergauf. In der Geschichte des Kegelsports in Rendsburg wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Trainingsarbeit auf der Bahn trug schnell Früchte. Allein im Jahre 1982 qualifizierten sich 20 jugendliche Sportkegler für die Deutsche Meisterschaft. Die männliche Jubend B mit Volker Ihme, Matthias Jöns, Gunnar Maronde, Carsten Wiggers und Lars Zeruhn gewann 1985 erstmalig in Husum den nationalen Meistertitel. Gunnar Maronde siegte zudem im Einzel.
Stark präsentierte sich aber auch die weibliche Nachwuchs. Claudia Bittner, Nicole Chylewski, Andrea Ohm, Geske Jarstorff, Janina Jäger, Merret Wiemer, Marlies Muhl und Bianca Ströh gewannen 1987 und 1988 die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft in der B-Jugend. Als A-Jugendliche holten Janina Jäger, Nicole Chylewski, Gesche Jarstorff, Andrea Ohm und Claudia Bittner 1990 den Titel. Gleiches gelang den Männern 1993 in der Besetzung Roger Dieckmann, Jan Haagen, Michael Papke, Gunnar Maronde und Wolfgang Knop.
Gegenwärtig spitze ist die Damenmannschaft, die 2006, 2009 und 2010 die "Deutsche" gewann. Die Mannschaft Monika Clausen, Petra Groß, Tina Haut, Karen Hinrichsen, Birte Jürgensen, Susanne Lütjens, Claudia Oldenburg und Birgit Staffehl gehörte gleich zweimal zu den 100 Top-Sportlern in Schleswig-Holstein. Das Aushängeschild ist jedoch Roger Dieckmann, vielfacher Deutscher Einzelmeister, Deutschlands Rekordnationalspieler (Sektion Bohle) und mehrfacher Europapokal-Teilnehmer. Jahr um Jahr auf Erfolgskurs bei Landes- und Deutschen Meisterschaften ist auch die Abteilung "Sport für Gesundheit und Rehabilitation" (SGR) im RTSV. Großer Kegelsport ließ auf dieser Topanlage dann auch nicht auf sich warten. International hat sich die Anlage 2004 und 2010 bei Länderkämpfen gegen Dänemark bewährt. 2006 wurden die nationalen Titelkämpfe mit 600 Aktiven ausgetragen.
Die Kegelsportanlage ist aber nicht allein die Heimat von über 20 leistungsorientierten Mannschaften. Freizeitkegler, Kegelklubs, Vereine, Betriebssportgruppen und Seniorenclubs gehen hier ihrem Hobby mit Begeisterung nach und sorgen für eine knapp 90 prozenmtige Auslastung. Die Zahl der Mitglieder hat sich in den vergangenen Jahren auf 140, davon 25 Jugendliche, eingependelt. "Bei uns ist es wie beim Tennis. Die Ablenkung durch andere Angebote ist einfach zu groß", meint Westphalen. Hier wird versucht, mit Aktionen gegenzusteuern. Vormittags können Schulklassen die Anlage nutzen. Um Jugendliche zu gewinnen, wird eine ausgeklügelte Licht- und Beschallungsanlage vorgehalten. Westphalen: "Damit bieten wir eine Art Disco-Flair an."
Quelle: SHZ